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Diese „Webseite“ wurde für Damen und Herren erstellt, die sich grundsätzlich für deutsche Geschichte und - im freizeitlichen Rahmen - auch für Architektur interessieren.

Die Schönheit des Schlosses Wiligrad und seiner Parkanlagen wird Sie bei Ihrem Besuch begeistern.

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Hinweis 1

In seinem Erscheinungsbild entspricht Schloss Wiligrad (erb. 1895/98) einer zweiflügeligen Schlossanlage mit einem Treppenturm im Hofwinkel

Im Weserbergland, in Westfalen und in Hessen sind während der Renaissancezeit derartige Schlossbauwerke häufig errichtet worden.

  

Schloss Wiligrad in Mecklenburg, erbaut 1895/98 

Siehe Pkt. 1:

Bauherr und Baugeschichte des Schlosses Wiligrad

        Schloss Buchenau, bei Fulda in Hessen, erb. um 1615

        Siehe Pkt. 3.2.1:

        Das Erscheinungsbild des Schlosses Wiligrad


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Hinweis 2

 

Als deutschlandweite Besonderheit des Schlosses haben hier Bauherr und Architekt den  Baustil der mecklenburgischen Terrakotta-Renaissance (aus den  Jahren 1550 - 1575) mit dem Baustil der norddeutschen Backstein-Renaissance (1525 - 1625) in einem ausdrucksstarken, historistischen Bauwerk zusammengeführt!

Die Neo-Backstein-Renaissance kam auch an den meisten Wirtschaftsgebäuden des Schlossareals zur Anwendung.

 

Im Artikel werden beide Baustile gründlich erläutert!

 

Mecklenburgische Terrakotta-Renaissance (Johann-Albrecht-Stil) am Hauptflügel (Herrschaftsflügel) des Schlosses Wiligrad

 

Siehe Pkt. 3.3.3:

Der Johann-Albrecht-Terrakotta-Stil

am Schloss Wiligrad

 

Norddeutsche Backstein-Renaissance ("Backstein-Rohbauweise") am Nebenflügel (Wirtschaftsflügel) des Schlosses Wiligrad

 

Siehe Pkt. 3.3.4:

Die norddeutsche Backstein-Renaissance

am Schloss Wiligrad

 


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Hinweis 3

 

Die äußere Baustruktur des Schlosses wurde  englischen Herrensitzen nachempfunden, bei denen eine 

klare Unterteilung des Schlossgebäudes in Herrschaftsflügel und Wirtschaftsflügel erfolgte.

Hierfür scheint das nördlich von Frankfurt am Main - an den Taunushängen gelegene - Schloss Friedrichshof (Siehe unten, Bild links) Pate gestanden zu haben; seine Erbauerin, die Ehefrau des deutschen "100-Tage-Kaisers" Friedrich war eine englische Prinzessin, Mutter von Kaiser Wilhelm II.  und Tochter der berühmten Queen Victoria.

 


Schloss Friedrichshof in Kronberg/Taunus (Hessen)

 

Siehe Pkt. 3.2.3:

Die Unterteilung des Schlosses Wiligrad

in Herrschaftsflügel und in Wirtschaftsflügel

Landhaus Mendelssohn in Berlin-Grunewald


 

Die relativ guten Verbindungen zwischen Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg und Kaiser Wilhelm II. machen es sehr wahrscheinlich, dass Johann Albrecht einige Anregungen für sein Schloss Wiligrad vom neu errichteten, historistischen Schloss Friedrichshof bezogen hat!

Der in England aufgewachsene Hofarchitekt von Kaiser Wilhelm II. - Ernst Ihne, Berlin - hatte noch während der Bauarbeiten am Schloss Friedrichshof damit begonnen, für den einflussreichen Privatbankier Franz von Mendelssohn einen historistischen Herrensitz zu entwerfen, der in Berlin-Grunewald entstehen sollte (Siehe oben, Bild rechts).

Auch dieser verfügte über die "englische" Unterteilung des Gesamtbauwerkes in Herrschaftsflügel und Wirtschaftsflügel!

 

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Hinweis 4

 

Die äußerst seltene Flügelspreizung des Schlosses Wiligrad von 135° dürfte durch den Herzog Johann Albrecht festgelegt worden sein,  nachdem er eine diesbezügliche Anregung vom kaiserlichen Witwensitzes "Schloss Friedrichshof" in Kronberg/Taunus (erb. 1890/93) bekommen hatte.

Üblich wäre eine Flügelspreizung von 90° gewesen, wie beim Schloss Buchenau in Hessen (Siehe Hinweis 1, Bild rechts) oder beim Landhaus Mendelssohn in Berlin-Grunewald (Siehe Hinweis 3, Bild rechts)!

 

 

Schloss Wiligrad mit Flügelspreizung von 135°

 

Siehe Pkt. 3.2.2:

Die Flügelspreizung des Schlosses Wiligrad

 

 

 

Schloss Friedrichshof mit Flügelspreizung von 135°


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Hinweis 5

Als Zentralraum des Herrschaftsflügels finden wir auf Schloss Wiligrad eine gewaltige, zweigeschossige Empfangshalle mit einem repräsentativen Treppenaufgang zum Obergeschoss nebst umlaufender Galerie.

Auch diese Treppenhalle erinnert sehr stark an zweigeschossige, "englische" Hallen wie sie Ende des 19. Jhd. sehr gern auf hochrepräsentativen, historistischen Herrensitzen und in vornehmen Stadtvillen eingebaut worden sind.

In den Herrschaftsflügel des Landhauses Mendelssohn war ebenfalls eine kleinere, zentrale Treppenhalle "Wiligrader Bauart" integriert - allerdings ohne "Vorraum" und ohne Terrasse  unter dem Fensterband!

 

Empfangshalle im Schloss Wiligrad,

zweigeschossig, mit Repräsent.-Treppe

und dreiseitig umlaufender Galerie

 

Siehe Pkt. 3.4:

Die zweigeschossigen Treppenhalle

im Schloss Wiligrad

 

Zentrale Lage der zweigeschossigen  Empfangshalle mit Repräsentations-Treppe im Herrschaftsflügel des Schlosses Wiligrad


 

Die Kombination beider, seltener Strukturmerkmale (Schlossgliederung in Herrschafts- und in Wirtschaftsflügel; Vorhandensein einer zentralen, zweigeschossigen Treppenhalle)  zeichnet Schloss Wiligrad aus und ist für den mecklenburgischen Raum einmalig!

 

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Hinweis 6

 

Der Herrschaftsflügel des Schlosses wurde in Grundriss und Fassade von Albrecht Haupt nach dem Prinzip des asymmetrischen "Bauens von innen nach außen" entworfen.

 

Der Grundriss entstand wohl nach einem Kompositionsverfahren, das der hannoversche "Star-Architekt" Edwin Oppler in den 1860er Jahren geschaffen hatte.

Danach ist die zentrale Halle (hier: die zweigeschossige Empfangshalle) der Ausgangspunkt der Planung. Alle  Räume (des Herrschaftsflügels) schließen an die Halle an und schieben sich von diesem Zentrum her nach außen, wobei sie sich je nach benötigter Größe ausdehnen können! So ergibt sich der lebendig bewegte Grundriss ganz von selbst. (wörtliches Zitat nach W. Brönner, Siehe Pkt. 3.4.1  u. Anlage 2) 

 

Schloss Wiligrad, Grundriss des Herrschaftsflügels, gestaltet von Albrecht Haupt nach einem asymmetrischen Kompositionsprinzip des Edwin Oppler; Hannover (ehemaliger "Lehrer" und Arbeitgeber von Albrecht Haupt)

 

 

Albrecht Haupt war zwei Jahre lang im Architekturbüro des Edwin Oppler leitend tätig (von 1878  bis zum frühen Tode E. Opplers im Jahre 1880).

 

 

Die Fassaden des Herrschaftsflügels zeigen in der  Asymmetrie der jeweiligen Gebäudeansichten - besonders auch in der Anordnung, der unterschiedlichen Größe und der wechselnden Gestalt der Fenster - ganz deutlich, dass sie  nach dem Entwurfsgrundsatz eines  "Bauens von innen nach außen" gestaltet worden sind.

 

Im Pkt. 3.4.1 - besonders jedoch in der Anlage 2 - dieser Webseite wird auf das asymmetrische "Bauen von innen nach außen" am Schlossgebäude Wiligrad  näher eingegangen und anhand von Abbildungen gut demonstriert. 

 

Ostseite des Herrschaftsflügels vom Schloss Wiligrad mit einem insgesamt asymmetrischen Erscheinungsbild und recht unterschiedlichen Fenster-Formen und -Größen

Westseite des Herrschaftsflügels vom Schloss Wiligrad mit einer zum Teil asymmetrischen Lage der Fenster-Achsen und sehr unterschiedlichen Fenster-Formen, -Einfassungen u. -Größen

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Hinweis 7

 

In der Umgebung des Schlosses hat der Herzog Johann Albrecht die Wirtschaftsgebäude und diverse Wohngebäude errichten lassen, jeweils separat:

 

1 x ein "Kavaliershaus" (untere Bildreihe, links), mit einem Ober- bzw. Dachgeschoss im Stil der niedersächsischen Fachwerk-Renaissance (Erdgeschoss weitgehend in modernerer  Backstein-Bauweise)

für die herzogl. Beamten und "dienstlichen" Besucher höheren Standes, 

 

1 x  ein großzügig dimensioniertes Backstein-Reihenhaus (obere Bildreihe, rechts) mit barocken Schweifgiebeln für die unmittelbare, herzogl. Dienerschaft  und

 

1 x ein etwas bescheideneres Backstein-Haus mit Schweifgiebeln für die Gärtnerfamilie mit ihren Gehilfen.

 

Der stattliche Marstall mit Reithalle (untere Bildreihe, rechts) im Stil der Backstein-Renaissance diente auf der Vorderseite auch als Wohnunterkunft für die Kutscherfamilie. 

 

Das Heiz- und Maschinenhaus (obere Bildreihe, links) im Stil der Backstein-Renaissance wurde im ausgebauten Dachgeschoss an der südlichen Stirnseite von der Familie des Maschinenmeisters bewohnt .

 


Heiz- und Maschinenhaus mit der Wohnung für die Familie des Maschinenmeisters im Obergeschoss

 

Siehe Pkt. 4.1:

Das Heiz- u. Maschinenhaus

im Schlossareal Wiligrad

 

"Kavaliershaus" im Stil der niedersächsischen Fachwerk-Renaissance auf der Schlossanlage Wiligrad mit Wohnungen für die höheren Beamten und für Besucher

 

Siehe Pkt. 4.3:

Das Kavaliershaus im Schlossareal Wiligrad

 

Reihenhaus-Wohnungen für Familien der gehobenen Dienerschaft mit großzügigen Fensterflächen

 

Siehe Pkt. 4.2:

Das Bediensteten-Wohnhaus

im Schlossareal Wiligrad

 

Marstall mit Reithalle und Wohnung für den Kutscher u. seine Gehilfen im Erdgeschoss u. im Obergeschoss

 

 

 

Siehe Pkt. 4.5:

Der Marstall im Schlossareal Wiligrad

 


Das Schlossareal verfügte keinesfalls über einen dörflichen Charakter - auch nicht über den Charakter eines Gutsdorfes. Die dort hinter den Katenzeilen vorhandenen "privaten" Klein-Ställe bzw. Klein-Scheunen gab es auf Wiligrad nicht!

Das Schlossareal wäre aus heutiger Sicht viel eher mit einer großzügigen Hotelanlage zu vergleichen, bei der die Wirtschaftsgebäude und Wohnungen des Personals im angemessenen Abstand um ein zentral gelegenes Schlosshotel herum angeordnet worden sind!

 

Die Energieerzeugung und der Wäschereibetrieb erfolgten dabei autark mittels der im Maschinenhaus befindlichen Kesselanlage, der Dampfmaschinen, einem Gleichstromgenerator und der Transmissionsanlage zwischen dem Dampfmaschinenraum und der  Dampfwäscherei.  

 

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Bauherr:        Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg (1857/1920),

                       Garde-Husaren-Offizier in Potsdam (aktiv von 1883 - 1895),

                       Weltreisender mit kolonialem Blickwinkel bzw. im kolonialen Auftrag,

                       Weltmann, Berufspolitiker und "Vorzeigefürst" des Deutschen Reiches

                                                              

                       Regent des Großherzogtums Mecklenburg/Schwerin

                       von 1897 - 1901

 

                       Regent des Herzogtums Braunschweig         

                       von 1907 - 1913

 

Architekt:     Prof. Dr. Albrecht Haupt (1852/1932) Bauhistoriker,

                       Fachmann für Bauwerke der deutschen Renaissance